April 27, 2020

Jaspers Tipps zum Gründen

Jaspers Tipps zum Gründen

Wie auch in den Gesprächen, betone ich vorweg aber nochmal, dass ich keines Falls die Weisheit mit Löffeln gefressen, sondern mein BWL-Studium nach 1,5 Semestern auf Eis gelegt habe.

Da momentan immer öfter andere junge Unternehmer, oder junge Menschen mit Ambitionen, auf mich zukommen und fragen, ob ich ein paar Ratschläge für sie hätte oder welche Dinge sie beachten sollten, wenn sie ihr eigenes Unternehmen starten, habe ich mal die wichtigsten Erfahrungen und Fazite zusammengefasst.

Wie auch in den Gesprächen, betone ich vorweg aber nochmal, dass ich keines Falls die Weisheit mit Löffeln gefressen, sondern mein BWL-Studium nach 1,5 Semestern auf Eis gelegt habe.

Überlegt euch also bitte gut, ob die Dinge, die ich nenne für eure Unternehmung so anwendbar und überhaupt sinnvoll sind.

Als erstes überlegt euch sehr gut mit welcher Rechtsform ihr starten wollt.

Julian und ich haben damals mit einer UG gestartet, um diese später in eine GmbH umwandeln zu können.

Ein schneller Ausschluss der persönlichen Haftung war es uns Wert das vermeidlich schlechte Image einer UG (haftungsbeschränkt) mitzuschleppen.

Aus heutiger Sicht kann ich jedem nur empfehlen so lange mit einem Einzelunternehmen zu arbeiten, bis man die 25.000 € (bzw. 12,5 T€) für eine GmbH zusammen hat.

Nicht etwa, weil „UG“ beim Kunden nicht so gut ankommt (das war nie wirklich ein Problem), sondern weil die Umwandlung von UG in GmbH an sich einen Rattenschwanz mit sich zieht, der auch uns lange beschäftigt hat.

Als Nächstes ist wichtig zu verstehen, dass es kein schnelles Geld gibt.

Bitte glaubt nicht den YouTube-Unternehmern oder Onlinemillionäre, die euch mit ihrem Mindsettuning und Mentoring innerhalb kürzester Zeit reich machen wollen.

Bevor Julian und ich auch nur einen Cent verdient haben, haben wir zugesehen, dass wir unsere Expertise in Form von Mitarbeitern erweitern und extrem viel Geld investiert, um uns zu professionalisieren.

Nehmt euch selber zurück, stellt euch hinten an und baut ein gesundes Fundament auf.

Wie sieht dieses Fundament aus?

Verschafft euch Planungssicherheit durch Retainer (langfristige Kunden), die ihr bestenfalls vertraglich binden könnt.

Das ermöglicht euch nicht von Monat zu Monat die Liquidität neu planen zu müssen, sodass ihr euch auf andere riesige Baustellen stürzen könnt.

Strukturen, Projektmanagement, Außendarstellung oder Akquise sind da nur ein paar Beispiele.

Beschäftigt euch damit wie ihr in euren Projekten Automatisierungen schaffen könnt.

Am besten sogar so, dass in der Theorie niemand mit dem Anderen reden muss, da die Automatisierungen Statusupdate und Benachrichtigungen versenden.

Dies wird viel Zeit sparen und Kapazitäten schaffen und ihr habt immer eine genaue Einsicht wann an welcher Stelle von wem etwas nicht fertig gestellt wurde (oder wer allgemein verkackt hat).

Wie enorm wichtig das ist, wird jeder wissen, der das eigene Unternehmen aufgebaut hat.

Mehr Zeit=mehr Kapazität=mehr liquide Mittel=höheres Budget zur Professionalisierung.

Außerdem, und das ist mit das wichtigste, ist es von enormer Bedeutung die Strukturen von Anfang an skalierbar aufzubauen.

Stellt euch vor ihr schreibt in eure Exceltabelle eine Formel, die so erstmal super Funktioniert. Aber nur bis zu einem bestimmten Punkt.

Es ist total lähmend und verunsichernd jedes Mal, wenn dieser Punkt erreicht ist eine neue Formel zu erarbeiten.

Eure Strukturen und euer Projektmanagement muss so aufgebaut sein, dass ihr es theoretisch mit Copy-and-paste bis in das unendliche skalieren könnt.

Eine weitere wichtige Sache ist es das eigene Ego zu Hause zu lassen. Genau so die Emotionen.

Du hast deinen Preis nicht durchsetzen können? Gut, dann hast du schlecht verhandelt. Verbessere dich.

Dein Mitarbeiter schlägt einen anderen Lösungsweg vor? Gut, lass ihn den umsetzen. Wenn er funktioniert, hast du etwas gelernt. Wenn er nicht funktioniert, macht ihr es auf deine Art und du wirst die Person sein, die weiß wie Dinge funktionieren. Gut für das Vertrauen in dich als Führungsperson.

Ein Kunde lehnt das Angebot ab? Er hat nicht dein Angebot abgelehnt, sondern das was er bekommen würde, ist ihm nicht den Preis wert, den du unter den Strich geschrieben hast.


Dann hast du ihm dein Produkt nicht optimal erklären können. Finde heraus wie du Menschen besser abholen kannst.

Julian und ich haben uns als feste Regeln gesetzt uns stets zu hinterfragen. Wieso ist das so? Was hätten wir anders machen können, um ein besseres Ergebnis zu erzielen?

Diese Fragen zu stellen, bringt ein deutlich weiter, anstatt Aussagen wie „Ja, der hat eh keine Ahnung.“ „Die soll mal leise sein.“

Wenn ihr mit jemand anderen Gründet, was ich nur empfehlen kann, müsst ihr komplett transparent sein.

Ihr heiratet euren Mitgründer und werdet enorm viel Zeit miteinander verbringen.

Seid immer offen und ehrlich zueinander. Auch wenn man mal die Fresse des anderen nicht sahen kann, sollte man sich das sagen können.

Ja, es ist schwierig das so umzusetzen, aber wenn Dinge nicht an oder ausgesprochen werden, treibt einen das auseinander. Und das kann böse enden.

Wo wir schon bei Geschäftspartnern sind.

Seht zu, dass ihr externe Beratungen in Anspruch nehmt, wenn ihr auf einem Gebiet keine Expertise habt.

Steuern, Rechtliches, Datenschutz.

Schaut euch jeweils 3 bis 5 Dienstleister an und sagt ganz genau was die Bedürfnisse eures Unternehmens sind. Sagt auch, dass ihr keine Ahnung habt und der Dienstleister gerade in der Anfangszeit mit vielen Fragen rechnen muss.

Und wenn ihr jemanden gefunden habt für den das okay ist, ist eure einzige Aufgabe ihn mit Fragen zu bombardieren, bis er eure Telefonnummer auswendig kann, weil sie so oft auf seinem Display erscheint.

Im Ernst: Habt keine Angst zu nerven, weil ihr etwas verstehen wollt/müsst.

Es ist euer Geschäft, euer Baby, und es ist eure Aufgabe alles zu verstehen.

Genauso wichtig wie sich passende Partner zu suchen, ist es sich von diesen auch wieder zu trennen, wenn es einfach nicht funktioniert.

Bleibt nicht zu lange bei einem schlechten Dienstleister und lasst den noch mehr kaputt machen.

Trennt euch genauso schnell von einem Mitarbeiter, der ein Fehleinkauf war. Einen Mitarbeiter ein Jahr zu halten und dann erst zu kündigen kostet etwa: Jahresgehalt*1,6 plus Zeitaufwand der Einarbeitung etc.…

Das ist für ein junges Unternehmen eine Menge Geld.

Verwechselt bei den Mitarbeitern aber eure schlechte Führung nicht mit einer schlechten Arbeit des Angestellten.

Es ist deine Aufgabe dich auf deinen Angestellten einzulassen und nicht anders herum. Du möchtest, dass er/sie Aufgaben erledigt. Gut, dann kommuniziert so, wie er es braucht.

Um meine lange Rede in Kernthesen zu fassen:

  • Wählt eure Rechtsform sorgfältig (Empfehlung: GmbH)
  • Macht euch skalierbar
  • Investiert in Verbesserungen, nicht in die eigene Tasche
  • Wählt Partner richtig und habt keine Angst euch wieder zu trennen
  • Lasst das Ego zuhause
  • Investiert in Menschen, ein Netzwerk ist Key

Weil ich mir sicher bin, dass ich immer noch viele Fehler mache und das erstmal nicht aufhören wird, suche ich Kontakt zu anderen jungen Gründern, die in einer ähnlich Situation sind und sich vor ähnlichen Herausforderungen sehen.

Es wäre schön sich mal austauschen zu können :-)